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Mammutbäume - verletzliche Giganten

Sie gelten als die größten Lebewesen der Welt und doch beruht ihre Existenz auf einem sensiblen Gleichgewicht der Natur - und dem Wohlwollen der Menschheit.

Redwoods - oder wissenschaftlich Sequoia sempervirens nennen die Amerikaner ihren "größten" Naturschatz: den Mammutbaum. In den drei Naturschutzparks Yosemite, Kings Canyon und Sequioa National Park in Kalifornien hat man Gelegenheit ihre Größe zu bestaunen: bis zu 112 Metern hoch und mit einem Umfang von 30 Metern sind diese Bäume mehr als eindrucksvoll.
 



Riesen bevorzugen Gesellschaft. Wachsen in
Clustern schützt vor Entwurzelung durch Wind.
 
Die Mächtigkeit der Baumriesen täuscht aber darüber hinweg, dass in diesem Biotop ein labiles Gleichgewicht herrscht. Zum ersten sind die eindrucksvollen Giganten zwei Bedrohungen ausgesetzt, von denen die gefährlichste wie üblich der Mensch ist: sehr früh hat die Holzindustrie den wirtschaftlichen Wert der Bäume erkannt und unkontrolliert Schlägerungen durchgeführt, die den Baumbestand auf sechs Prozent der ursprünglichen Bewaldung reduziert haben. Nur der massive Einsatz von Umweltschützern - allen voran der Schriftsteller John Muir, der im 1890 die Errichtung der drei Naturschutzparks erwirkte, hat ein Umdenken erreicht. Heute werden Teile des Waldes weiterhin wirtschaftlich genutzt, immerhin sind die Parks für Motorsägen tabu.
Grün ist das Thema des Monats und zugleich auch unsere CI-Farbe. In den Thema-Seiten wollen wir regelmäßig über Interessantes berichten, das nicht unmittelbar mit unserer Arbeit zusammenhängt. Eines soll den Artikeln gemeinsam als Thema dienen: Die Wertschätzung und Erhaltung des Wunders Natur.


Ästhetisch und essentiell: Nebel spielt im
Wasserhaushalt der Bäume eine wichtige Rolle.


 

Riesig aber verletzbar:
Flache Wurzeln machen die
Bäume anfällig für Sturm.

Die zweite Gefahr geht von zu häufigen Waldbränden aus. Mammutbäume können Brände durch ihre dicke Borke, die bei Hitze sogar eine Flüssigkeit absondern, die sich schützend über die Aussenhaut legt, überstehen. Da dies ohne menschliches Zutun im Durchschnitt alle 100 Jahre passiert, entspricht dieser Zyklus einem natürlichen Kreislauf, der auch einem ökologischen Zweck dient: die Asche ist äußerst fruchtbar, das Unterholz wird ausgedünnt, somit kann neues Leben Fuss fassen. Manche Sorten öffnen Ihre Kapseln sogar erst bei extremer Hitze. Einige Bäume scheinen durch Brände schwer angeschlagen, sie sind innen hohl, ihr „Herzholz“ ist durch Brand und Pilze verloren gegangen, und dennoch haben sie genug Substanz um durch die Borke Wasser und Nährstoffe nach oben zu transportieren.

Die Größe der Bäume steht in scheinbarem Widerspruch zum flachen Wurzelwerk: dieses verankert den Riesen nur sehr gering, und macht ihn anfällig für starke Stürme. Oftmals fallen abgestorbene Zweige aus sehr großer Höhe herunter - ein Grund warum frühe Siedler diese Bäume „Widow Maker“ genannt haben. Wie labil das ökologische Gleichgewicht ist, zeigt die Geschichte eines Mammutbaumes, der von einem Sturm entwurzelt wurde - der Grund war die Abholzung eines Gegenhanges der nicht Teil des Nationalparkes ist - der Wind hatte keine natürliche Barriere mehr und fällte den Riesen.

Wie man mit Aufsehen erregenden Aktionen Erfolg haben kann bewies die Amerikanerin Julia Butterfly Hill, die zwei Jahre und eine Woche in den Wipfeln eines über 1000 Jahre alten Mammutbaums verbrachte. Ihr Ausharren trug Früchte: der Baum sowie eine Schutzzone wurden von Schlägerungen bewahrt, sie selbst wurde mit einem Schlag bekannt und ist seithin als Aktivistin und Autorin zum Schutz der Natur engagiert. Detail am Rande: Als Julia ihr Vorhaben schließlich erfolgreich abbrechen konnte, hatte sie sich an das Leben in den Wipfeln derart gewöhnt, dass sie kurzfristig Schwierigkeiten hatte, am Boden zu gehen.

Text und Photographie: Fritz Vesely ©2002
Quelle: Redwood National Park History Association, U.S. Department of the Interior.


Rekordbäume

Der älteste Baum der Welt
ist eine Grannenkiefer (Pinus aristata) in den White Mountains in Kalifornien: 4900 Jahre soll der „Methusala“ genannte Baum alt sein.

Der höchste Baum der Welt
ist ein Küstenmammut (Sequoia sempervirens) namens „Tall Tree“ im kalifornischen Rewood-Nationalpark: seine Höhe wurde 1990 mit 112 Metern gemessen.

Der dickste Baum der Welt
ist ein Riesenmammut (Sequoioaendron giganteum): der „General Sherman-Baum“ der an den Westhängen der Sierra Nevada im Sequoia National Park wächst, hat einen Umfang von 31 Metern.

Der älteste Baum Wiens
ist die unter Naturschutz stehende „Tausendjährige Eibe “ (Taxus baccata) im 3. Bezirk, Rennweg 12.

Quelle: "Der Standard", 6.10.02